Weltwärts
Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst, der die (eigene) Welt verändert?!
Podiumsdiskussion, Markt der Möglichkeiten und Live-Konzert mit Tomte am 10. September 2009 im Berliner Tempodrom
Seit Anfang 2008 gibt es den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts, mit dem junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Möglichkeit erhalten, sich mit finanzieller Unterstützung für 6 bis 24 Monate ehrenamtlich in Afrika, Lateinamerika, Osteuropa oder Asien zu engagieren. Mittlerweile sind die ersten 1.000 weltwärts-Freiwilligen von diesem – vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten – Freiwilligendienst zurückgekehrt. Aus diesem Grund hat die Veranstaltung “weltwärts – Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst, der die (eigene) Welt verändert?!” am 10. September 2009 im Berliner Tempodrom den Rahmen gegeben, in dem sich über 430 an dem Programm interessierte junge Menschen und Gäste aus den Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit, Jugendarbeit und Politik informiert, ausgetauscht und gemeinsam gefeiert haben.
Während der Veranstaltung präsentierten sich auf dem Markt der Möglichkeiten verschiedene weltwärts-Organisationen mit ihren Einsatzbereichen und informierten gleichzeitig viele Interessierte über die Aktivitäten der RückkehrerInnen. Aber wird weltwärts diesem Anspruch tatsächlich gerecht? Wie verändert die Arbeit in Entwicklungsländern die jungen Menschen? Und wie verändern diese jungen Menschen die eigene Welt?
Diese Fragen diskutierte die Bundesentwicklungsministerin und weltwärts-Initiatorin Heidemarie Wieczorek-Zeul mit den weltwärts-RückkehrerInnen, Maximilian Frömling, Marie Lessing und Antje Richter, dem Geschäftsführer des Deutscher Entwicklungsdienst (DED), Dr. Jürgen Wilhelm, und dem Vorstandsmitglied der Freiwilligenvereinigung grenzenlos e.V., Christian Wienberg, während des einstündigen Podiumsgespräches. “weltwärts zeigt, dass jeder einen kleinen Beitrag für eine bessere und gerechtere Welt leisten kann”, führt die Ministerin ein. Die TeilnehmerInnen erwerben wichtige interkulturelle Kompetenzen und wirken über die Dauer des Freiwilligendienstes hinaus als positive MultiplikatorInnen in die deutsche Gesellschaft hinein. Für Maximilian Frömling rückten durch seinen Brasilien-Aufenthalt die Kontinente näher zusammen. “Es sind nicht immer die Unterschiede, die ins Auge springen”, sagt er. “Es war verblüffend zu sehen, wie nah wir uns über alle Grenzen hinweg doch sind.” Antje Richter empfand gerade die kulturellen Gegensätze als Bereicherung. Dabei muss es nicht immer um die großen Themen der Weltpolitik gehen. Es kann sich auch, wie in ihrem Fall, einfach um die unterschiedlichen Schönheitsideale von Deutschen und SüdafrikanerInnen handeln.
Aber wie gehen die Freiwilligen mit diesen Erfahrungen um, wenn sie wieder zu Hause sind? “Das Engagement geht meistens weiter”, sagt Christian Wienberg von der Freiwilligenvereinigung grenzenlos e.V.. Viele Freiwillige halten Vorträge in Schulen oder werben in ihrem Umfeld für ein gerechteres Weltbild. Oder sie nehmen wie Marie Lessing die Völkerverständigung selbst in die Hand. Sie hat in indischen Slums gearbeitet und gründete nach ihrer Rückkehr einen deutsch-indischen Bildungsverein. “Wenn ich nur zehn Menschen dazu bringe, sich auch für eine bessere Welt zu engagieren, dann habe ich schon viel erreicht”, erklärt sie. In diesem Zusammenhang gab die Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bekannt, dass das BMZ eine Million Euro für den neuen Fördertopf “weltwärts und danach” bereitstellt, um solche Projekte zu unterstützen.
Wir in Deutschland profitieren also von weltwärts. Aber besetzen die Freiwilligen nicht Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern? “Ich verstehe die Bedenken der Kritiker”, räumt Dr. Jürgen Wilhelm vom Deutschen Entwicklungsdienst ein. “Aber wir achten streng darauf, dass durch den Dienst kein beruflicher Verdrängungswettbewerb in dem jeweiligen Land entsteht.” Schon jetzt ist abzusehen, dass noch viel Arbeit auf den DED und die zahlreichen anderen Entsendeorganisationen zukommt, denn schon bald soll die Zahl der TeilnehmerInnen auf 10.000 Freiwillige pro Jahr steigen.
Im Anschluss an das Podiumsgespräch wurde das weltwärts-Programm mit einem Live-Konzert von TOMTE gefeiert.
Folgende Organisationen haben sich auf dem Markt der Möglichkeiten präsentiert:
AFS Interkulturelle Begegnungen e. V.
Arbeitsstelle Weltbilder
arche noVa e.V.
Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.
Deutscher Entwicklungsdienst (DED)
Deutsch-Südafrikanisches Jugendwerk e.V.
EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst
Experiment e.V.
Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.
grenzenlos e.V.
ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e. V.
Internationale Jugendgemeinschaftsdienste e.V.
IN VIA Kath. Mädchensozialarbeit Erzbistum Berlin
Projekt Mosaik e.V.
Stiftung Nord-Süd-Brücken
weltwärts-Sekretariat
Marie Lessing war als weltwärts-Freiwillige mit der Entsendeorganisation Deutsch-Indische Zusammenarbeit e.V. in Indien.
Antje Richter war als weltwärts-Freiwillige mit der Entsendeorganisation Behinderung und Entwicklung e.V. in Südafrika.
Heidemarie Wieczorek-Zeul,Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Christian Wienberg ist Vorstandsmitglied der Freiwilligenvereinigung grenzenlos e.V. Im August 2009 organisierte er die “undjetzt?!-Konferenz”, die erste Rückkehrerkonferenz für Freiwillige in Entwicklungsländern.
Dr. Jürgen Wilhelm leitet den Deutschen Entwicklungsdienst (DED). Außerdem ist er Lehrbeauftragter an der Universität Bonn für Entwicklungspolitik.






