Hanna, 27

Hanna, 27
Warum denken wir nicht um und nutzen die Ressourcen und die Menschen die vor Ort sind.

Sebastian, 28

Sebastian, 28
Die Veranstaltung war interessant und ich habe viel gelernt.

Roland, 32

Roland, 32
Ich fand den Oberst Tegtmeier am ehrlichsten. Er kann viel Einfluss haben.

Zwischen Bürgerkrieg und Staatenbildung

Fragile Staaten und die internationale Zusammenarbeit wurde am 14. November 2012 in der Kalkscheune diskutiert. Hier geht es zum Veranstaltungsbericht:
 
Fragile Staaten brauchen langfristiges Engagement

Hungernde Menschen, eine prekäre Sicherheitslage und Bürger, die ihrem eigenen Staat nicht mehr vertrauen – das sind die wesentlichen Merkmale, die ein Land zu einem fragilen Staat machen. Ihre Liste ist erschreckend lang: 45 Ländern bescheinigt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) derzeit den Status der Fragilität – darunter Somalia, Afghanistan, der Kongo, und der Irak. Welche Antworten die internationale Zusammenarbeit auf Fragen der Friedenssicherung und Staatenbildung bereit hält, wollten Volker Wieprecht und Robert Skuppin am 14. November 2012 bei „Eine Welt – Eine Zukunft“ von ihren Podiumsgästen wissen.

Konfliktreduzierung als Entwicklungsbasis
 
Timo Christians ist Afghanistanreferent bei der Deutschen Welthungerhilfe. Schon seit 20 Jahren engagiert sich der Verein in dem Land – lange bevor deutsche und andere westliche Militärs am Hindukusch in Erscheinung traten. Die wichtigste Herausforderung in fragilen Staaten sieht Timo Christians in der Reduzierung bestehender Konflikte. „Nur dann sind Erfolge beim Schulbau oder bei der Ärzteausbildung möglich.“ Allerdings denkt er im Falle Afghanistans weniger an militärische Interventionen – „Inzwischen ist die Präsenz des internationalen Militärs ein Teil des Problems“ – sondern an zivile Entwicklungsprojekte. Sie sollen die Menschen dazu bringen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
 
Militär und zivilen Aufbau vernetzen
 
Oberst i.G. Dr. Michael Tegtmeier, Referatsleiter für Strategie und Einsatz im Bundesverteidigungsministerium, plädiert deshalb in Krisenländern für eine stärkere Zusammenarbeit von Militärs und zivilen Organisationen. „Ich bin ein Anhänger des vernetzten Ansatzes“, so der Oberst. „Das Militär leistet seinen Beitrag und das funktioniert nur im Konzert mit anderen.“ Der Aufbau von Polizei, Finanzwesen, Gesundheits- oder Bildungssystemen müsse parallel erfolgen. Dafür schaffe man die Rahmenbedingungen.
 
Opfer von Stellvertreterkriegen
 
Natürlich gibt es nicht die eine Patentlösung im Umgang mit fragilen Staaten. Zu mannigfaltig sind die Ursachen und daraus resultierenden Probleme. „Viele Staaten werden fragil, weil sie zwischen die Fronten globaler Konflikte geraten sind“, betont Tinko Weibezahl. Er leitet das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul und erinnert daran, dass es der Westen war, der in Afghanistan einst die Taliban in ihrem Kampf gegen die Sowjets aufrüstete. Noch brisanter sei es allerdings, wenn begehrte Rohstoffe mit ins Spiel kommen. Für Weibezahl habe dies auch dem Kongo einen Stellvertreterkrieg mit fatalen Folgen beschert. „Da wurde ein Diktator unterstützt nur weil er nicht kommunistisch war.“ Zu groß sei die Befürchtung gewesen, dass die Sowjetunion Zugang zu einem der weltweit größten Uranvorkommen bekäme.
 
Staatenbildung braucht langen Atem
 
Nicht zu unterschätzen sei bei einer Intervention auch die Gefahr, dass am Ende manches eher schlechter als besser werde. Eine Portion Selbstkritik ist da durchaus angebracht: „Wir müssen uns fragen, wo wir selbst Teil der Ursache sind“, fordert Timo Christians. Damit man nicht ständig die Schäden repariere, „die man selbst verursacht hat“ (Wieprecht), müsse man schwarze Schafe der Entwicklungszusammenarbeit frühzeitig aussortieren. „Entscheidend für ein erfolgreiches Engagement sind Prinzipientreue und langfristige Planung“, betont Timo Christians.
 
Dass es in fragilen Staaten einen langen Atem braucht, das weiß von Berufs wegen auch Carla Berke. Die Leiterin des Kompetenzcenters für Frieden und Sicherheit bei der KfW Entwicklungsbank erinnert daran, dass auch Mosambik einst als fragiler Staaten galt. Anfang der 1990er Jahre befand sich das Land noch in einem Bürgerkrieg. „Durch die internationale Zusammenarbeit hat sich die Lage jedoch stabilisiert“, so die Entwicklungsexpertin. Geduld müsse man auch im Falle Afghanistans aufbringen. Rund 20 Jahre werde es wohl noch brauchen, bis Afghanistan das Entwicklungsniveau eines Landes wie Bangladesch erreicht habe – von heute an gerechnet.

UNSERE GÄSTE
Timo Christians, Referent für Afghanistan, Regionalgruppe Asien, Deutsche Welthungerhilfe e.V., Bonn

Oberst i.G. Dr. Michael Tegtmeier, Referatsleiter SEIII 5 - Abteilung Strategie und Einsatz, Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), Berlin

Tinko Weibezahl, Leiter des Auslandsbüros Afghanistan, Konrad-Adenauer-Stiftung, Kabul, Afghanistan

Expertin der Entwicklungszusammenarbeit Carla Berke, Leiterin Kompetenzcentrum Friedensentwicklung, KfW Entwicklungsbank, Frankfurt