Pandemien ante portas

Rette sich wer kann?

Podiumsgespräch am 22. November 2006 in der Kalkscheune, Berlin

Kulturelles Rahmenprogramm bot Ian “Mantis” Hillman mit einem Live-Konzert.

Die Veranstaltung „Pandemien ante portas – Rette sich wer kann?” beschäftigte sich mit der Frage, warum sich AIDS trotz zahlreicher Präventionsprogramme immer weiter ausbreitet. Ein Filmbeitrag über die Situation in Uganda macht zum Auftakt der Veranstaltung deutlich, dass es nicht reicht, Kondome unter der Bevölkerung zu verteilen. AIDS ist insbesonders auf dem afrikanischen Kontinent ein großes Problem, selbst in einem Musterland wie Uganda steigen die Infektionsraten. Eindrücklich berichten daher Emma Odegi von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und der Musiker Ian Hillmann (aka Mantis) aus Simbabwe von ihren Eindrücken.

Der Epidemiologe und Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg und Tobias Luppe von Ärzte ohne Grenzen schildern die Probleme, mit denen die Präventionsprogramme in Afrika zu kämpfen haben. Dr. Phil Langer von der Berliner AIDS Hilfe macht dagegen auf die HIV-Problematik in Deutschland aufmerksam. Auch bei uns breitet sich – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – die Immunschwächekrankheit trotz jahrelanger Kampagnen wieder aus. “Das Schutzverhalten hat abgenommen”, warnt Langer. Vor allem junge Leute unterschätzen die Gefahr: “Es wird immer so getan als wären die Deutschen in Sachen HIV aufgeklärt. Wenn wir in die Schulen gehen, merken wir aber, wie wenig Schüler wissen.”

Wolfgang Wodarg glaubt trotzdem, dass man die deutschen Politiker leicht davon überzeugen könne, wieder mehr in die Aufklärung zu investieren. Ganz anders sähe es dagegen in Afrika aus: “Dort haben viele Staatsoberhäupter das Problem noch überhaupt nicht erkannt”, moniert er. Dies konnte Emma Odegi nur bestätigen. Sie koordiniert Präventionsprogramme für Jugendliche in Kenia. Keine leichte Aufgabe in einem Land, in dem die Themen Sex und AIDS tabuisiert werden und in der Schule keine Rolle spielen. “AIDS wird als Fluch und nicht als Krankheit angesehen”, beschrieb Odegi die Situation vieler afrikanischer Länder. “Es geht darum, das Bewusstsein für die Gefahr von AIDS zu steigern”.

Um AIDS in Zukunft wirksamer zu bekämpfen, fordern die PodiumsteilnehmerInnen einmütig, den politischen Druck auf die Regierungen zu verstärken, die zu wenig Verantwortung für das Leben ihrer Bevölkerung übernehmen. Doch auch die Regierungen der Industriestaaten seien aufgerufen, mehr zu tun.

UNSERE GÄSTE
Ian “Mantis” Hillmann ist ein Bassist aus Simbabwe. Im Jahr 2000 verließ Hillmann seine Heimat in Richtung Deutschland, wo er unter anderem mit den Söhnen Mannheims Gentlemen zusammengearbeitet hat.

Dr. Phil Langer ist seit 2005 ist er Koordinator für Schul- und Jugendprävention bie der Berliner AIDS-Hilfe e.V.

Tobias Luppe ist Koordinator und Referent der Medikamenten-kampagne bei Ärzte ohne Grenzen in Deutschland (MSF). Davor arbeitete er in einem HIV/ AIDS-Projekt in Lagos/ Nigeria.

Emma Odegi ist Projektkoordinatorin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Nairobi. Seit 2005 leitet sie das Projekt, das unter anderem Jugendprojekte in den Slums und Waisenhäusern Nairobis organisiert.

Dr. Wolfgang Wodarg engagiert sich als Mediziner seit Jahrzehnten für gesellschaftspolitische Belange. Seit 1994 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages.