Fremd zu Hause!?
Podiumsgespräch am 12. Oktober 2006 in der Kalkscheune, Berlin
Nach der Podiumsdiskussion gab Culcha Candela ein Live-Konzert. Im Anschluss legte DJ Papa Joe auf.
Das Thema Migration beschäftigt immer wieder Politik, Medien und Gesellschaft. Unter dem Motto “Fremd zu Hause!?” diskutierten am 12. Oktober 2006 in der Berliner Kalkscheune ExpertInnen, KünstlerInnen und Betroffene die Frage, wie Deutschland seinen AusländerInnen begegnet und was sich ändern muss, damit Integration in Zukunft besser funktioniert.
Auf dem Podium hatte sich eine bunt gemischte, multikulturelle Diskussionsrunde zusammengefunden: der Schriftsteller Selim Özdogan, die Regisseurin Esther Gronenborn, der kurdische Schauspieler Ali Biryar, Dr. Hans Werner Mundt von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) und der Migrations-Berater der Vereinten Nationen, Jan O. Karlsson. Hinzu kamen Tom Hansing, der Mitbegründer des Modelabels Rütli Wear, die Integrationsbeauftragte von Friedrichshain-Kreuzberg Doris Nahawandi und Culcha Candela-Mitglied Itchyban.
UN-Berater Karlsson ist überzeugt: “Migration bringt Wachstum, nicht Arbeitslosigkeit”. Über diesen Punkt waren sich Podium und Publikum weitgehend einig. Weniger Konsens herrschte bei der Frage, was nun im Miteinander verschiedener Kulturen höflicher ist: Seinen Mitmenschen interessiert nach dessen kulturellem Hintergrund zu fragen oder die Neugier runterzuschlucken und Unterschiede zu ignorieren. Hierüber entzündete sich eine hitzige Diskussion – nicht zuletzt über die Eigenarten der Deutschen. “Anders als die Amerikaner haben wir einen Horror vor Andersartigkeit”, fasste Dr. Hans Werner Mundt zusammen.
Patentrezepte für eine gelingende Multikulti-Gesellschaft wurden an diesem Abend nicht gefunden. Dafür gingen die Zuschauer mit neuen Eindrücken, Hintergrundwissen und vielleicht auch dem ein oder anderen erschütterten Vorurteil nach Hause.
Tom Hansing beschäftigt sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Stigmatisierung und ist Mitgründer des Modelabels Rütli Wear.
Esther Gronenborn, die Regisseurin schaffte mit ihrem Spielfilmdebüt “alaska.de”, für den sie den Deutschen Filmpreis erhielt, im Jahr 2000 den Durchbruch.
Itchyban ist Mitglied der Band Culcha Candela. Ein Markenzeichen dieser bekannten Berliner Hip-Hop-Formation ist ihre multikulturelle Zusammensetzung.
Jan O. Karlsson ist Vorsitzender der von den Vereinten Nationen berufenen Globalen Kommission zur Internationalen Migration.
Dr. Hans Werner Mundt ist Berater des Projektes “Migration und Entwicklung“, das die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchführt.
Francis George Mwamadi berät im Auftrag des Handelsministeriums von Malawi Bauern und Kleinbetriebe. Der Betriebswirt hilft bei der Erstellung von Bedarfsanalysen und unterstützt beim Marktzugang und der Schaffung eines adäquaten Umfelds für die Entwicklung von Betrieben.
Doris Nahawandi arbeitet im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in der Abteilung Jugend. Die Sozialpädagogin ist dort Beauftragte für Integration und Migration.
Selim Özdogan ist Schriftsteller.
Kemal Ozbasiar ist mit 6 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Er arbeitet im Berliner Bezirk Wedding als Streetworker bei Gangway e.V.






