Frauen auf dem Vormarsch?

Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern als Motor für Entwicklung

Podiumsgespräch am 27. November 2008 ab 19 Uhr in der Kalkscheune, Berlin

Zu Beginn der Veranstaltung performte die Tänzerin Melissa Maldonado. Im Anschluss spielte Virginia Mukwesha auf ihrer Mbira ein Live-Konzert.

Zwei Drittel aller Analphabeten auf der Welt sind Frauen. Sie besitzen nur ein Prozent des globalen Vermögens, leisten aber 70 Prozent der unbezahlten Arbeit. Diese Zahlen lassen keinen Zweifel daran, dass Frauen noch immer benachteiligt werden. Aber gibt es nicht auch Fortschritte? Und was muss passieren, damit sich die Situation der Frauen verbessert? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung am 27. November.

Gleichberechtigung ist vor allem eine Bildungsfrage. “Wir haben auf diesem Gebiet enorme Fortschritte gemacht”, sagt die Soziologin Birte Rodenberg. Sie schickt jedoch ein skeptisches “Aber” hinterher, denn von gleichen Bildungschancen für Männer und Frauen kann gerade in Entwicklungsländern nicht die Rede sein. Die typische Schulkarriere einer Frau ist dort noch immer zu Ende, sobald sie Rechnen und Schreiben kann.

Als neue emanzipatorische Wunderwaffe sind Mikrokredite in aller Munde, seid ihr Erfinder Muhammad Yunus 2006 den Friedensnobelpreis erhalten hat. FinanzerpertInnen wie Christiane Ströh sehen die Kleinstkredite als Chance für die Frauen, selbst für sich und ihre Familie zu sorgen.

Benachteiligt werden die Frauen trotzdem, kritisiert Angela Langenkamp vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), denn größere Kredite sind nach wie vor Männersache. Zudem treibt die leichtfertige Kreditvergabe viele Frauen in die Schuldenfalle. Trotzdem ist eines unstrittig: Von selbstbewussten Unternehmerinnen profitiert die ganze Gesellschaft, insbesondere die Kinder.

Und die Männer? Die erkennen langsam, dass Frauen mehr können als kochen und putzen, glaubt die Unternehmensberaterin Christine Nkulikiyinka. Seit in ihrer Heimat Ruanda Frauen die Mehrheit im Parlament stellen, macht sich nach Jahren voller Krieg und Gewalt langsam Hoffnung breit. Doch alle kleinen Fortschritte sind vergebens, wenn sich in den Köpfen der Menschen nichts ändert.

Daher appelliert Birte Rodenberg an Frauen und Männer, endlich die alten Geschlechterstereotypen zu überwinden. Auch wir in den Industrieländern brauchen mehr Männer, die sich um ihre Kinder kümmern, damit auch Mütter Karriere machen können.

UNSERE GÄSTE
Dr. Angela Langenkamp ist Beraterin für Gleichberechtigung der Geschlechter im Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung (BMZ).

Virginia Mukwesha ist in ihrer Heimat Simbabwe ein Star, obwohl Frauen dort auf der Bühne eigentlich nicht gerne gesehen sind. In ihren bissigen, humorvollen Texten setzt sie sich kritisch mit den Männern ihres Heimatlandes auseinander.

Christine Nkulikiyinka kümmert sich als Botschaftsrätin um die Beziehungen ihres Heimatlandes Ruanda zu Rheinland-Pfalz. Außerdem referiert und publiziert sie zu Themen wie Genozid, Gleichberechtigung und AIDS.

Dr. Birte Rodenberg ist Soziologin an der FU Berlin und beschäftigt sich mit globaler Strukturpolitik und Armutsbekämpfung sowie den Themen Gender, Partizipation der Zivilgesellschaft und Gesundheit.

Martina Sabra berichtet als Journalistin vor allem über die Lage der Frauen in islamischen und arabischen Ländern. Daneben arbeitet sie als Projektgutachterin in der Entwicklungszusammenarbeit.

Dr. Christiane Ströh ist Expertin für Mikrofinanzen am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin. Zusätzlich arbeitet sie als Beraterin in der Entwicklungszusammenarbeit.