Fairer Handel
Kann Konsum etwas verändern?
Podiumsgespräch und kleine Warenschau am 22. September 2010 um 19:30 Uhr in der Kalkscheune, Berlin
Der Weg, den eine Banane von der Ernte bis zur Ladentheke nimmt, ist lang und führt um den halben Globus. Der Landwirt, der das Obst in Südamerika anbaut, erhält meist nur einen Bruchteil des Kaufpreises, der am anderen Ende der Handelskette, zum Beispiel in Europa, bezahlt wird. Von seinem Lohn kann der Landwirt kaum leben. Das Konzept des Fairen Handels hingegen nimmt auf die realen Bedürfnisse der Bauern Rücksicht. Das mag oft zu einem höheren Preis führen, meist verbessert sich aber auch die Qualität der Produkte. Doch der Anteil des Fairen Handels am Welt-Agrarmarkt ist noch klein: Es sind 0,001 Prozent. Die vier GesprächsteilnehmerInnen auf dem Podium von “Eine Welt – Eine Zukunft” waren sich trotzdem einig: Fairer Handel kann die Weltpolitik positiv beeinflussen.
Joaquín Vásquez aus Ecuador vertrat die Position der Kleinbauern. 400 Millionen von ihnen gibt es weltweit, doch noch nicht einmal anderthalb Prozent profitieren vom Fairen Handel. Vásquez ist Präsident von UROCAL, einem Verband von Bauern-Genossenschaften, die Bananen anbauen und zu fairen Bedingungen handeln. “Wir sind kleine Landwirte, die ihre Handlungsweise nachhaltig und ökologisch verändern”, betonte er. Seine Genossenschaft erlebe nun ein stabiles Preisgefüge und robuste Handelsbeziehungen. Diese Nachhaltigkeit verbessere die Lebensbedingungen der beteiligten Familien. Die Folge: Mehr Gleichberechtigung, bessere Schulbildung, weniger Landflucht.
Einige Möglichkeiten, auf politischer Ebene die Entwicklung weltweit stabiler Lebensbedingungen zu fördern, beschrieb Lisa Kirfel-Rühle. Sie nahm als Referentin für Globalisierung, Handel und Investitionen für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) am Gespräch teil. Das Ministerium unterstützt Faire-Handels-Projekte mit Schulungen der internationalen Handelspartner, fördert den Aufbau langfristiger Lieferbeziehungen und finanziert Projekte der Entwicklungszusammenarbeit. Ferner ist das BMZ Geldgeber für Kampagnen, die den Fairen Handel in Deutschland stützen, besonders die Faire Woche und das Forum Fairer Handel.
Die Position des fairen Händlers vertrat Bernd Hashagen auf dem Podium. Er ist Geschäftsführer der Ökotopia GmbH, die seit 30 Jahren unter anderem Kaffee und Tee vertreibt. Ökotopia garantiert seine fairen Handelsbeziehungen durch den persönlichen Kontakt zu den ProduzentInnen. Dementsprechend wird der Preis von Kaffee und Tee, den die deutschen KonsumentInnen zahlen müssen, mit den Bauern-Kooperativen gemeinsam beschlossen.
Kritisch betrachtet, und zwar von allen GesprächsteilnehmerInnen, wurden die diversen Siegel, die dem Käufer garantieren, dass sein Einkauf fair gehandelt wurde. Insgesamt gibt es aber eine verwirrende Anzahl solcher Siegel, die nur den internationalen Handelsweg zertifizieren. Was aber, fragte Hashagen, sei mit den Arbeitsbedingungen bei Lidl? Der Discounter verkauft zwar 17 Prozent aller Fairer-Handels-Produkte in Deutschland, behandelt seine eigenen Angestellten aber durchaus unfair. Hashagen forderte die KonsumentInnen auch in diesem Zusammenhang nachdrücklich dazu auf, sich gut zu informieren.
Für ebendiese saß Christoph Harrach auf dem Podium, Gründer des Öko-Lifestyle-Nachrichtenportals KarmaKonsum. Er lobte das Vorkommen von Fairen-Handels-Produkten im Lidl-Sortiment, da beim Discounter neue Kunden an das Thema herangeführt werden. Generell empfiehlt er, beim Einkauf saisonal und regional zu denken und alles weitere auf Basis des Fairen Handels zu erwerben. Ein wichtiger Anhaltspunkt für Informationen sei der “Nachhaltige Warenkorb” der Bundesregierung.
Auch wenn es bereits viele Bestrebungen gibt, den Handel fairer zu gestalten, ist längst noch nicht alles gut: Erst ein Prozent der ecuadorianischen Bananen wird fair gehandelt. Zum Problem wird derzeit auch, dass Großplantagen ebenfalls Faire-Handels-Zertifikate erhalten und die Kleinbauern vom Markt drängen. “Diese Marktstrukturen können nur durch die Politik verändert werden”, sagt Vásquez als Fazit.
Im Rahmen dieser Veranstaltung gab es eine kleine Warenschau mit folgenden TeilnehmerInnen:
Elemental Co.
Ethiquable Deutschland
Hirschkind
Ökotopia
Phyto Treasures GmbH
Schwarzerpfeffer
Bernd Hashagen ist Geschäftsführer der Ökotopia GmbH. Ziel des Kollektivs ist es, mit fair gehandelten und ökologischen Waren auf kollektiver Basis wirtschaftlich rentabel zu arbeiten.
Lisa Kirfel-Rühle arbeitet beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Referat für Globalisierung, Handel und Investitionen.
Joaquín Vásquez ist der Präsident von UROCAL, eine Dachorganisation kleinbäuerlicher ErzeugerInnen in der südlichen Küstenregion Ecuadors.






