Aaron, 17

Aaron, 17
Generell hat es mir gut gefallen. Ich finde, dass die Podiumsgäste manchmal den Fragen ausgewichen sind. Aber es waren gute Beispiele dabei, wie z.B. der neue Supermarkt (Original Unverpackt, Anm. d. Red.).

Carla, 23

Carla, 23
Eine gut organisierte, informative Veranstaltung mit Gästen aus vielen unterschiedlichen Bereichen.

Peter, 53

Peter, 53
Für mich war die wichtigste Aussage, dass wir den gesunden Menschenverstand wieder einsetzen sollen.

Du bist, was Du isst.

2014 Nachhaltiger Kosum

Wie verantwortlich ernähren wir uns?

23. November 2014, 18 Uhr in der Kalkscheune
(Johannisstraße 2, Berlin-Mitte)

Die diesjährige Veranstaltung war Teil der EINEWELT–Zukunftstage, die vom 23.-25.11.2014 in Berlin stattgefunden haben. Auf Initiative von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller wurde Anfang 2014 der Dialogprozess zur Erstellung einer Zukunftscharta „EINEWELT – Unsere Verantwortung“ ins Leben gerufen: Wie können wir eine Zukunft gestalten, die verantwortliches Handeln ermöglicht? Wie viel Verantwortungsbewusstsein steckt bereits in unserem alltäglichen Handeln? Wie leben wir unsere Verantwortung für unsere EINEWELT?

Ein Schritt in die richtige Richtung oder bloße Rhetorik?

Wenn Volker Wieprecht einkaufen geht, macht er sich nicht nur Gedanken, wie er den Kalorienbedarf seiner Tochter am besten stillen kann. Auch die Frage nach der Herkunft des Essens und unter welchen Bedingungen es angebaut wurde, beschäftigt ihn. Wie dem Radioeins-Moderator geht es vielen anderen Menschen in Deutschland. Grund genug für ihn, gemeinsam mit Robert Skuppin der Frage nachzuspüren, wie es um das nachhaltige Konsumverhalten der Deutschen steht. „Du bist, was du isst. Wie verantwortlich ernähren wir uns?“ lautete das Motto von „Eine Welt – Eine Zukunft“ am 23. November. Die Veranstaltung war Teil der in Berlin vom 23.-25.11.2014 stattgefundenen EINEWELT-Zukunftstage und knüpft an eine zentrale Botschaft der Zukunftscharta an: Veränderung fängt beim Einzelnen an und jeder kann durch bewusstes Handeln zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Qualität statt Systemerhalt

Vermutlich hätte man nach anderthalb Stunden Diskussion festhalten können, was man eh schon zu wissen glaubte: Ernähre dich biologisch, kaufe saisonal und regional ein und verzichte möglichst auf Fleisch und Verpackungsmüll. Wenn da nicht dieser Professor aus Hamburg gewesen wäre. Michael Braungart ist Leiter des Hamburger Umweltinstituts und hält nichts von dieser moralischen Keule. Für Braungart hält das Nachhaltigkeitskonzept ein System am Leben, das nicht zukunftsfähig ist. „Weniger Fleisch zu essen, hilft nichts.“ Stattdessen brauche es eine radikale Umkehr. Denn im Moment versuche man bloß, bestehende Dinge zu optimieren. „Man sollte aber nicht die falschen Dinge optimieren“, fordert Braungart.

Die Nachhaltigkeitsdebatte sei vor allem durch moralische Kategorien geprägt und gerade deshalb laufe sie Gefahr, unter erschwerten Bedingungen zu versagen: „Die Moral ist bei 95 Prozent aller Menschen weg, wenn es ihnen schlecht geht“, so Braungart. Vernünftigen, auf Gesundheit bedachten Menschen erschließe sich von selbst, dass Umweltgifte aus Verpackungen und Düngemitteln wieder in der Nahrungskette landen und dass die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Energieverbrauch pro erzeugter Kalorie nicht gut für die Umwelt und einen selbst ist. „Wir brauchen ein komplettes Umdenken“, so Braungart. Ein während der Veranstaltung vorgestelltes Projekt wie FoodLoop, bei dem Nutzer über eine App erfahren, welcher Supermarkt kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit stehende Lebensmittel skontiert, sei zwar ein „Schritt in die richtige Richtung“, ändere aber nichts am Grundproblem.

Unverpackt schmeckt besser

Einen Fan findet jedoch Florinn Bareth in dem Professor. Sie ist Projektkoordinatorin beim ersten verpackungsfreien Supermarkt in Berlin „Original Unverpackt“. Wer hier einkauft, verzichtet völlig auf Einwegverpackungen, Müll entsteht erst gar nicht. Ganz gleich ob Lebensmittel, Kosmetik oder Reinigungsmittel – alles wird in wieder verwendbare Behältnisse abgefüllt. „Wir möchten dazu beitragen, dass die Plastikinseln in den Meeren schrumpfen“, erklärt Bareth und beschreibt den Einkauf in dem Supermarkt als sinnliches Erlebnis: „Es ist toll, wieder einen direkten Bezug zu Lebensmitteln zu haben.“ Natürlich sei es auch ein Stück weit trendy, nachhaltig zu konsumieren, gibt Bareth zu. Aber warum auch nicht? Auf keinen Fall wolle man als die „verrückten Hippiemädels“ wahrgenommen werden. Und der Umwelt nutzt es ohnehin.

Entwicklung braucht Zeit

Doch was schert die Nudelverpackung all jene, deren Existenz durch Hunger und Armut gefährdet ist? „800 Millionen Menschen hungern auf der Welt“, weiß Gunther Beger, der studierte Agrarökonom und Abteilungsleiter für Grundsatzfragen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Nach ihm können Ansätze, die in einem westlichen Industrieland Teil der Lösung sind, an den Problemen der Menschen in einem Land wie Äthiopien vorbeizielen. „In Äthiopien hungern 13 Millionen Menschen. Die können nicht warten, dass in Zukunft beispielsweise Algen in Masse produziert werden“, so Beger. Stattdessen helfe man vor dem Hintergrund vorhandener Strukturen in vielen kleinen Schritten der lokalen Bevölkerung: Projekte zum Bodenschutz, Saatgutoptimierung und Bewässerung. Dazu zählt auch eine Intensivierung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

Zeit für Bescheidenheit

Steigende Nitratwerte im Grundwasser, die Gefährdung der Artenvielfalt und der stetig steigende Verbrauch natürlicher Ressourcen sind nur ein paar Stichworte, mit denen Tanja Dräger de Teran deutlich macht, dass ein Umdenken einsetzen muss und die industrielle Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form keine Zukunft hat. Die von Gunther Beger geforderte Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität könnte nach Auffassung der Referentin für nachhaltige Landnutzung, Klimaschutz und Ernährung bei der deutschen Sektion des World Wide Fund for Nature (WWF) auch auf ökologische Weise geschehen: „Wir könnten die Welt auf bessere Art und Weise ernähren“, so Dräger de Teran. „Stattdessen importieren wir Soja, um unsere Rinder und Schweine zu mästen.“ Nahrungsmittel an Tiere zu verfüttern sei aber das „falsche System“. Deshalb versuche man hierzulande, „ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Auswirkungen Fleischkonsum auf Klima und Umwelt hat.“

Volker Wieprecht wird bei seinem nächsten Gang in den Supermarkt sicherlich noch mehr zu beachten haben, um die richtige Konsumentscheidung treffen zu können. Die Fertigpizza wird er aber vermutlich im Kühlregal belassen. Denn – wie Florinn Bareth sagt – beim Einkaufen geht es vor allem darum, den gesunden Menschenverstand einzusetzen.

 

Programm

17.00 Uhr            Einlass

18.00 Uhr            Offene Podiumsdiskussion

19.30 Uhr            Ende der Podiumsdiskussion

Moderation: Volker Wieprecht und Robert Skuppin (radioeins, rbb)

Ausklang mit Live-Auftritt von Ivy Quainoo

 

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UNSERE GÄSTE
Florinn Bareth, Projektkoordinatorin von Original Unverpackt – Der Supermarkt ohne Verpackungen, Berlin

Gunther Beger, Abteilungsleiter, Grundsatzfragen EZ; Zivilgesellschaft, Kirchen und Wirtschaft; ländliche Entwicklung, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Berlin

Prof. Dr. Michael Braungart, Gründer und Leiter der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH, Hamburg

Tanja Dräger de Teran, Referentin für nachhaltige Landnutzung, Klimaschutz und Ernährung, WWF Deutschland, Berlin