Dicke Luft über Asien
Ein Rückblick
Podiumsgespräch am 21. November 2007 in der Kalkscheune, Berlin
China ist ein Land der Gegensätze: Kommunistisches Einheitsparteiensystem, turbokapitalistisches Wirtschaftswachstum. Die Folgen des Wachstums: steigender Wohlstand, wachsender Konsum – mit dem Auto als dem Statussymbol. Die Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte ist das Elend der Ärmsten, Umweltverschmutzung und ein dramatisch ansteigender CO2-Ausstoß. Es herrscht “Dicke Luft über Asien”. So lautet auch der Titel des Podiumsgesprächs am 21. November.
Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Junhua Zhang lässt nackte Zahlen sprechen: 20 der 30 am meisten verpesteten Städte der Welt liegen in China. Jedes Jahr sterben 650.000 Chinesen an den Folgen der Luftverschmutzung. Jeder vierte Chinese hat keinen direkten Zugang zu Trinkwasser. Allerdings registriert er ein allmähliches Umdenken. Langsam begibt sich China auf den Weg zur “ökologischen Zivilisation”, auch wenn gerade in entlegenen Gegenden des riesigen Landes ehrgeizige Provinzfürsten die grünen Ideen aus Peking oft nicht umsetzen.
Von diesen positiven Ansätzen ist auf den Bildern nichts zu sehen, die der GEO-Redakteur Florian Hanig von seiner China-Reise mitgebracht hat. Schwer kranke Menschen, zugemüllte Flüsse, Krebsdörfer, apokalyptische Industrielandschaften. Eines der Hauptprobleme ist Schwefeldioxid, das in großen Mengen in die Luft geblasen wird. Filteranlagen werden oft nicht eingebaut, weil sie teuer sind und die Gewinne der Unternehmen schmälern würden.
Prof. Yu Zhang setzt trotzdem große Hoffnung auf Politik und Wirtschaft. Druck aus dem Ausland ist nach ihrer Ansicht aber der falsche Weg, um die Lage zu verbessern. Hier sind Verständnis, Geduld und Diplomatie gefragt, um die Gefühle der stolzen Chinesen nicht zu verletzen.
Das sieht auch Tobias Münchmeyer von Greenpeace ähnlich. Er betont jedoch, dass ohnehin zunächst das Engagement der Industrieländer gefragt sei, die schließlich die Hauptverursacher des Klimawandels sind.
In diesem Zusammenhang erinnert der Chinaexperte der GTZ, Edgar Endrukaitis, an den ökologischen Raubbau, den auch Deutschland vor wenigen Jahrzehnten noch betrieben hat. Das sei der übliche Preis für wirtschaftlichen Aufschwung und steigenden Konsum. Trotzdem beträgt der Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 in China immer noch nur ein Viertel des Ausstoßes in Deutschland.
Auch wenn diese Zahlen für China sprechen, herrscht unter den ExpertInnen Einigkeit: So kann es nicht weitergehen. In erster Linie sind Politik und Wirtschaft gefragt, doch das entlässt jeden Einzelnen nicht aus der Verantwortung, einen Beitrag für saubere Luft zu leisten. Aber immerhin – es gibt auch positive Ansätze, ein Anfang ist gemacht.
Florian Hanig ist als Redakteur bei GEO für die Asien-Berichterstattung verantwortlich. Er hat eine Reihe von Reportagen über seine Reisen durch China und andere asiatische Länder veröffentlicht.
Tobias Münchmeyer ist stellvertretender Leiter von Greenpeace in Berlin. Zuvor war er zu verschiedenen Klima-, Energie- und Umweltfragen tätig.
Prof. Dr. Junhua Zhang lehrt Politikwissenschaft und Sinologie. Außerdem war er als Berater in China-Fragen für Politik und Wirtschaft tätig.
Prof. Yu Zhang ist Geschäftsführerin der Unternehmens- und Kommunikationsberatung China Communications Consulting. Zusätzlich engagiert sie sich in zahlreichen Vereinen für den deutsch-chinesischen Austausch.






